von Prof. Dr. Max Otte

Ratingagenturen besiegeln oft das Schicksal ganzer Volkswirtschaften. Überfallartig, willkürlich, fatal – so erscheinen die Urteile der drei großen amerikanischen Oligopolisten Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch.

Und gerade diese drei Ratinggiganten haben die Finanzkrise von 2008 entscheidend mitverursacht. Dafür sind sie bis heute nicht zur Verantwortung gezogen worden. Stattdessen agieren sie weiter im Schatten, sind niemandem rechenschaftspflichtig und realisieren astronomische Gewinnmargen, die jedweder Grundlage entbehren.

Die Ratingagenturen verkörpern aber auch nicht das pure Böse. Sie sind da reingerutscht, sie erfüllen eine bestimmte Rolle.

Sie sind ja gegründet worden im 19. Jahrhundert, weil die amerikanische Wirtschaft doch, was Recht und Gesetz anging, nicht so wie in Europa war und man für die Investoren zumindest gewisse Bewertungen von Eisenbahnschulden zum Beispiel haben wollte, was in Deutschland die staatlichen Institutionen immer gemacht haben. Das war das Entstehen. Und dann sind sie in den letzten 30 Jahren in immer größere Rollen gerutscht. Es ist ja schon paradox, dass in den Anlagerichtlinien der Versicherer man sich auf das Urteil der Ratingagenturen bezieht.

Da müsste man ja eigentlich überlegen, dass diese Versicherer und Banken eigene Analysten haben und eigene Menschen, die das bewerten können. 

Warum gibt es also überhaupt Ratingagenturen? 

Für Vorstände von Banken ist es natürlich bequem, die Verantwortung abzuschieben. Wenn dann nachher ein Kind in den Brunnen fällt, also ein Investment kaputtgeht, kann man sagen, wir haben uns aber auf das Rating verlassen. Aber es ist schon ein Abschieben von Verantwortung, das ist das eine. Und zweitens ist es natürlich auch bequem, diese Ratingagenturen zu haben, auch für die Finanzbranche selber, für die Investmentbanken. Dann kann man auch mal so was wie den giftigen Finanz-Sondermüll, also die Sub-Prime-Papiere, mit drei A abstempeln lassen und weiterverkaufen, denn die Rating-Agenturen wurden ja von den Produzenten des Sondermülls dafür bezahlt, dass sie drei A draufgestempelt haben. 

Warum sind die Agenturen so stark geworden? 

Bereits mit dem Entstehen von Großkonzernen und der fortschreitenden massiven Industrialisierung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wuchsen den Agenturen neue Aufgaben zu. Mit den lateinamerikanischen Schuldenkrisen in den 1880er und 1890er Jahren sowie nach dem Großen Crash von 1932 rückte auch die Kreditwürdigkeitsprüfung ganzer Länder in den Fokus. 1975 ordnete die amerikanische Börsenaufsicht SEC gewisse Kapitalanforderungen für Wertpapierhändler (Broker und Dealer) an. Diese Anforderungen durften durch von der Aufsicht zugelassene und „besonders respektable“ Agenturen zertifiziert werden, was einen massiven Machtzuwachs dieser Agenturen gleichkommt.

Im Zuge der durch Margaret Thatcher und Ronald Reagan eingeleiteten neoliberalen Revolution verloren staatliche Instanzen zunehmend an Einfluss. In diese Lücke stießen die Agenturen. Seit Ende der 80er Jahre dominieren sie –als eigentlich systemfremde Elemente – auch zunehmend das kontinentaleuropäische Wirtschaftsgeschehen.  

Gibt es eine schnelle Lösung des Problems? 

Im Prinzip könnte Europa seine eigenen Ratingagenturen aufbauen und damit dieses angelsächsische Kartell in Bedrängnis bringen. Wenn sich die kontinentaleuropäischen Länder zusammentun, Deutschland, Frankreich und ein paar andere, geht das sofort.

Und man könnte ja anfangen mit einer Ratingagentur für Staatsschulden, und da brauchen sie eigentlich nur 20, 30 Ökonomen, die gibt es jetzt schon bei der EZB, da macht man eine Unterabteilung der EZB, die ratet dann Staatsschulden und hat sofort ein Gegengewicht.

Leider jedoch scheiterte bereits im Mai 2013 Markus Krall mit seiner Initiative zum Aufbau einer europäischen Ratingagentur.

Sein Projekt war mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet. Auch das Geschäftsmodell sollte ein anderes werden: Investoren und nicht Emittenten sollten die Agentur bezahlen. Josef Ackermann sagte sogar spontan, dass die Deutsche Bank mitmachen würde. Letztlich passte es aber nicht in die Machtstrukturen der derzeitigen Weltökonomie. 

Für die Emittenten (also vor allem die Investmentbanken) wäre es natürlich sehr schlecht gewesen, wenn nicht mehr sie, sondern die Investoren die Ratingagenturen bezahlen. Auch die Staaten hätten sich wohl eher nicht gefreut. Und das angelsächsische Machtkartell wehrt sich natürlich auch mit Händen und Füßen gegen einen kontinentaleuropäischen Rivalen. Sonst würde doch der ein oder andere hinterfragen, warum die USA bei einem Haushaltsdefizit von bis zu 10 Prozent noch mit AAA geratet werden, und europäische Südstaaten bei Defiziten von 3 oder 4 Prozent B oder schlechter erhalten. Da liegen groteske, interessengetriebene Verzerrungen vor.

Es geht um Macht, es geht ums Geld. Man kann das hinter dem modernen Mythos „Markt“ verstecken. Aber letztlich geht es um die Frage, ob das spekulativ-orientierte kapitalmarktbasierte System sich durchsetzt und die Regeln in Washington und London gemacht werden, oder das kreditbasierte kontinentaleuropäische System – in Deutschland mit Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen.

Und da war es naiv, zu glauben, dass bei der lauwarmen und teilweise unterwürfigen Haltung unserer Regierungen eine europäische Ratingagentur überhaupt eine Chance hatte. Denn, wie Krall selbst sagte, für sein (richtiges) Modell hätten die Gesetze geändert werden müssen. Aber, wenn der Gesetzgeber – ob Parlament, ob Ministerien – fest in der Hand der spekulativen Finanzlobby ist und Milliardenbeträge für Lobbying ausgegeben werden, ist das wohl eher Wunschdenken. Ähnlich naiv ist es, Private-Equity-Gelder für eine Agentur gewinnen zu wollen, die letztlich der Spekulation geschadet hätte. So scheiterte es an lächerlichen 30 Millionen Euro Gründungskapital – 0,05 Prozent der Summe, die alleine in den europäischen Rettungsfonds fließt.

Rückkehr zur Marktwirtschaft

Am besten wäre es aber nach meiner Meinung, die Ratingagenturen als systemfremde, kontraproduktive und bürokratische Instrumente ganz abzuschaffen oder nur noch für Nischenaufgaben zu verwenden. Dann müssten Finanzinstitutionen wieder ihre eigenen Analysen verfassen und selber die Haftung übernehmen. Eine verbesserte staatliche Aufsicht sowie eine bessere Eigenkapitalausstattung der Finanzmarktakteure würden diese Rückkehr zur Marktwirtschaft unterstützen.

Dr. Ulrich Horstmann bin ich außerordentlich dankbar, dass er absolut seriös und ohne plakatives Ratingagenturen-Bashing aufzeigt, wer eigentlich hinter diesen Global Players steckt. Horstmann ist als langjähriger Direktor einer etablierten Großbank ein echter Insider. Er kennt die tägliche Arbeit der Ratingagenturen so gut wie kaum ein anderer. Somit ist er besonders berufen, die schädlichen und skandalösen Praktiken der Agenturen zu schildern. Horstmann analysiert die Bonitätsherabstufungen, die ganzen Volkswirtschaften abrupt den Boden entziehen, nennt Gewinner und Verlierer dieser verheerenden Politik und prangert das fatale Anreizsystem an, mit denen Ratingagenturen belohnt werden. Sein Buch „Die geheime Macht der Ratingagenturen“ ist eine seriöse Dokumentation und ein Augenöffner. Es bringt bringt Licht in das dunkle Gebaren und die undurchsichtigen Machenschaften der Ratingagenturen. 

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Ihr

 

Max Otte