von Prof. Dr. Max Otte

Seien Sie gierig, wenn andere ängstlich sind, und seien Sie ängstlich, wenn andere gierig sind!

Dieser Ratschlag kommt nicht von mir. Er stammt von keinem Geringeren als Warren Buffett. Und er beschreibt den Investmentstil des Star-Investors sehr präzise.

Dass seinem Ratschlag jedoch so wenige Anleger folgen, liegt begründet in der Psyche der Menschen. Wir sind Herdentiere und neigen allzu sehr dazu, mit dem Strom zu schwimmen. Auch haben wir einen ausgeprägten Fluchtinstinkt, durch den wir ohne zu überlegen, fortlaufen, sobald wir Gefahr wittern. Erst hinterher überlegen wir, ob die Gefahr auch real war.

Auch ein Kurseinbruch an der Börse kann diesen Fluchtinstinkt auslösen. Nur wenigen von uns gelingt es, ihn in solchen Situationen zu kontrollieren und genau das Gegenteil zu tun, das oft richtig wäre: bleiben, durchatmen und die Fakten betrachten.

Denn nur weil viele andere Anleger ihre Aktien auf den Markt werfen, hat sich der Wert des entsprechenden Unternehmens ja keinesfalls geändert. Es produziert noch immer und es verdient noch immer Geld.

Genau deshalb rät Value Investor Warren Buffett zu Gelassenheit in turbulenten Börsenphasen. Wir Anleger müssen uns vorher bereits die richtigen Gedanken machen, bevor wir überhaupt eine Aktie kaufen. Haben wir unsere Hausaufgaben gemacht, kann uns ein kurzzeitiger Kursabsturz keine unnötigen Sorgen bereiten.


Ganz im Gegenteil: Wenn die Massen ihre Anteile an interessanten Unternehmen zu Tiefpreisen verkaufen, können wir auf Schnäppchenjagd gehen. Denn als Value-Investoren kennen wir den Inneren Wert des Unternehmens. Wir wissen, was es wirklich wert ist.

Eine ganz ähnliche Herdenmentalität beobachte ich seit geraumer Zeit auch auf dem Immobilienmarkt. Der Kauf einer Wohnimmobilie ist für viele Menschen in Deutschland die bedeutendste finanzielle Entscheidung im Leben. Zum einen geht es um hohe Geldbeträge, zum anderen legt sich der Eigentümer auf lange Sicht fest und zwängt sich oft in ein über Jahre laufendes Finanzierungskorsett.

Werfen Sie, liebe Leser, bitte einen Blick auf diese Zahlen der Deutschen Bundesbank:

Sie sehen: Das Kreditvolumen, das sich die Deutschen im Zuge des Wohnungsbaus aufhalsen, wird von Jahr zu Jahr höher. Und damit wächst auch ihre Abhängigkeit von den Banken.

Natürlich gibt es allerlei gute Argumente für den Kauf der eigenen vier Wände: das Plus an Lebensqualität, die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten, der Schutz vor Mietpreissteigerungen, der Steuervorteil gegenüber anderen Anlageformen. Und man bleibt einfach Herr im eigenen Haus.

Aber es gibt eben auch einige Punkte, die es vor dem Haus- oder Wohnungskauf kritisch zu untersuchen gilt: Die Pflege der Immobilie kostet Zeit. Hinzu kommen allerlei Kostenrisiken durch fällige Renovierungen und Instandsetzungen.

Und vor allem besteht das Risiko, die Immobilie zu einem viel zu hohen Preis zu erwerben, etwa weil es an Kenntnissen über über den örtlichen Immobilienmarkt und an Zeit für Vergleiche fehlt.
 

Auch die Finanzierungsrisiken sollten Sie, meine Damen und Herren, nicht verachten: Dazu gehört auch das Risiko, dass Zinsen nach Ablauf der Zinsbindungsfrist ansteigen. Der Kauf von Wohneigentum ist grundsätzlich auch eine Wette auf die Zukunft.

Ein weiteres Gegenargument ist das Liquiditätsrisiko: Wer sein Geld in Aktien oder Fonds angelegt hat, kommt bei Bedarf in kurzer Zeit an sein Vermögen heran. Bei Immobilien kann sich der Verkauf über Monate, manchmal Jahre hinziehen.

Und dann wäre da noch das Klumpenrisiko: Es ist bei Geldanlagen selten sinnvoll, alles auf eine Karte zu setzen. Immobilieneigentümer haben dagegen nicht nur ihr ganzes Vermögen in Wohneigentum investiert, sondern zusätzlich auch noch einen Kredit dafür aufgenommen. Bei einer Finanzierung mit 20 Prozent Eigenkapital und 80 Prozent Kredit steht man mit leeren Taschen da, sobald das Objekt um 20 Prozent an Wert verliert.

Dies ist aber nur die Spitze des Eisberges. Der Kauf einer Immobilie ist mit sehr vielen Fragen und Unwägbarkeiten verbunden, die allesamt einer gewissenhaften Prüfung bedürfen.

Ein gutes Investment sind aus meiner Sicht Aktien herausragender Unternehmen. Hier können wir Anleger breit diversifizieren. Wir können mit unserem Vermögen mobil und liquide bleiben. Doch der erfolgreiche Auswahlprozess, die unterbewertete Aktie eines wirklich guten Unternehmens heraus zu filtern, gestaltet sich ähnlich schwierig wie die Suche nach der richtigen Immobilie zum fairen Preis.

Und damit komme ich zurück zu Warren Buffett. Dieser Mann macht seinen Hausaufgaben. Sehr gewissenhaft. Und seit Jahrzehnten mit großem Erfolg. Seine Strategie des Value Investings habe ich in den vergangenen 20 Jahren sehr genau studiert. 20 Jahre, in denen die Leser meines Börsenbriefes und die Investoren meiner Fonds viel Geld gemacht haben.

Für die Leser von Der Privatinvestor habe ich bereits viele spannende Investments jenseits des Mainstream identifiziert. Und auch für die kommende Börsenphase sehe ich noch genug interessante Investments. Zwar sind einzelne Märkte wie der US-Markt aktuell schon stattlich bewertet, dafür ergeben sich aber in anderen Märkten, wie zum Beispiel Großbritannien neue Chancen.

Denken Sie an Buffett, liebe Leser: Widerstehen Sie dem Fluchtinstinkt! Denken Sie kühl und sachlich, wenn andere in den Panikmodus schalten. Dann finden Sie in jeder Börsenphase interessante Aktien.

Auf gute Investments,

Ihr

 





Max Otte