von Prof. Dr. Max Otte


Liebe Leser, 

ich möchte mit Ihnen heute einmal auf das erste Halbjahr 2017 zurückblicken.

Erfreulich ging es in den letzten Monaten vor allem an den Börsen zu. Die Kurse stiegen. Doch viele Aktien und Marktsegmente sind immer noch nicht zu teuer.

Grundsätzlich bin ich also weiterhin  optimistisch für die Assetklasse Aktien. Allerdings erfolgt vom August bis September oft eine Korrektur. Das kann ich mir nach den teilweise signifikanten Kursanstiegen der ersten Jahreshälfte auch diesmal vorstellen.
 
Deshalb lohnt sich der Einstieg immer noch
 
Es gibt genug Aktien mit Dividendenrenditen von drei, vier Prozent oder mehr. Nehmen Sie, liebe Leser, als Beispiel die Aktie eines großen deutschen Versicherers: das KGV beträgt elf und die Dividendenrendite 4,5 Prozent. Da nehme ich doch lieber die Aktie als eine Lebensversicherung des Unternehmens.

Und auch lieber als viele Immobilien. Da wird in guten Lagen bis zum 30-fachen der Miete und mehr bezahlt und die Nettorenditen liegen unter zwei Prozent.
 
Mein Vermögensbildungsfonds hat sich zuletzt wieder sehr gut entwickelt. Im letzten Jahr haben wir unsere Vergleichsgruppe - den weitaus größeren Flossbach von Storch Multiple Opportunities, den Acatis Gané Value Event und den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen weit hinter uns gelassen.

Aktuell haben wir immer noch Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft und einen Basket der großen Technologiewerte.

Wir hatten auch in zyklische Unternehmen investiert und sind damit gut gefahren. 

Aber auch Unternehmen der Modebranche finden wir interessant. Hier gibt es durch die Online-Konkurrenz Gegenwind. Aber der Kursverlust betrug teilweise über sechzig Prozent. Das ist zu viel, denn der Markenkern ist gut.

Oder völlig abgedrehte Titel wie einen großen englischen Zeitungsverlag. Das Printgeschäft ist zwar schwer unter Druck, aber es gibt Hoffnung im Online-Geschäft.
 
Grundlegende Probleme bis heute nicht gelöst
 
Mit Blick auf die finanzpolitischen Rahmenbedingungen sehe ich auch 2017 noch viele Unstimmigkeiten. Die Welt hat seit 2008 noch mehr Schulden gemacht – mehr als ein weiteres Welt-BIP, und wir betreiben eine groteske Niedrigzinspolitik, die schon in sozialistische Planwirtschaft ausartet.

In den USA haben wir eine Blase bei Autokrediten, allerdings nur in Höhe von einer Billion Dollar, die Immobilienpreise in vielen Märkten ziehen wieder an. Wir stehen im Endspiel um die Schulden der Welt. Die ersten Bankensanierungen in Europa zeigen das. Ich kann mir aber keinen Finanzkollaps wie 2008 vorstellen. Die Notenbanken würden den in Geld ersticken.
 
Auch Donald Trump wird daran nichts ändern
 
Ich hatte zunächst Hoffnungen, weil er anfangs noch unabhängig war. Leider ist er kein strategischer Denker. Er hat nur das wiederholt, was er bei normalen Bürgern aufgeschnappt hat – zum Beispiel „America First“. Ich fand das nicht schlecht, denn es hätte auch heißen können, dass Amerika sich zuerst einmal wieder mehr um die eigene Wirtschaft und die eigenen Bürger kümmert, statt Konflikte zu unterstützen und sein Militär auf der ganzen Welt in Stellung zu bringen.

Doch leider hat sich eben schnell gezeigt, dass Trump vor allem Reality-TV Star ist und keine große Linie hat. Was aber jetzt mit dem absurden Schmierentheater der angeblichen Russland-Kontakte von den politischen Eliten veranstaltet wird, ist beschämend.
 
In Deutschland treiben uns derweil auch finanzpolitisch gewichtige Themen um. Immer wieder warne ich vor der schleichenden Bargeldabschaffung. Hinzu kommen Bemühungen, das Bankgeheimnis immer weiter aufzuweichen.

Ende Juni wurde ohne große Medienaufmerksamkeit der §30 a Abgabenordnung mit dem Titel „Schutz des Bankkunden“ aufgehoben. Finanzämter und Behörden können also ab sofort ungehindert Kontostände und Zahlungseingänge bei den Kreditinstituten erfragen.

Mit anderen Worten: Das 400 Jahre währende Bankgeheimnis wurde nach bereits erfolgten Aufweichungen nun komplett abgeschafft.

Das ist grausam. Wir sind schon ein weites Stück in den Kontroll- und Überwachungsstaat abgerutscht. Das mag zwar ein „softer Überwachungsstaat“ sein, aber die technologischen Möglichkeiten sind ganz andere, als man sie in der DDR oder in den totalitären Diktaturen hatte.

Und es reicht ja, politische Gegner ökonomisch zu ruinieren oder in den Medien kaltzustellen. Gefängnisse brauchen wir dafür nicht mehr.
 
Herzlichst,

Ihr
 





Max Otte
 
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